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Geregelte Zuhaltung
Wer leistungsstarke Maschinentechnik auch umfassend nutzen und fest im Griff haben will, benötigt eine intelligente Maschinensteuerung. Mit ihrer intuitiven grafischen Ablaufprogrammierung bildet die SELOGICA hierzu die ideale Ausgangsbasis. Sie ist darauf ausgerichtet, den Spritzgießprozess bedarfsgerecht zu gestalten und zu optimieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Erweiterte Zu­halteprogramm“, das bei elektrischen ALLROUNDERn A sowie bei allen hydraulischen ALLROUNDERn mit Zwei-Pumpentechnik verfügbar ist. Aber was bietet diese Funktion eigentlich?
 
Bei hydraulischen Maschinen mit nur einer Pumpe startet der Einspritzvorgang nach dem Erreichen der Zuhaltekraft. Der dafür aufgebaute Druck im Hydraulikzylinder der Schließeinheit wird über Ventile eingespannt und erst am Ende der Restkühlphase wieder abgebaut. Während des Spritzgießprozesses lässt sich die Zuhaltung des Werkzeugs nicht weiter regeln. Dies wird erst möglich, wenn der Hydraulikantrieb über mindestens zwei Pumpen verfügt und damit auch zwei Funktionen gleichzeitig ausgeführt werden können.
Hingegen sind die elektrischen ALLROUNDER A durch die Unabhängigkeit der elektromechanischen Direktantriebe generell in der Lage mehrere Funktionen gleichzeitig auszuführen. Da hier die Schließeinheit als Kniehebelsystem ausgeführt ist, hängt die Zuhaltekraft jedoch immer von der Werkzeugeinbauhöhe ab. Aufgrund einer Wärmedehnung des Werkzeugs kann sich diese während des Betriebs ändern, sodass sich auch die Zuhaltekraft ändert. In diesem Fall sorgt eine Schließkraftregelung vollautomatisch für einen Ausgleich von Wärmedehnungen, indem die Werkzeugeinbauhöhe im laufenden Prozess über die Formhöhenverstellung angepasst wird.

Was bringt das Ganze jedoch für den Spritzgießprozess? Zusammen mit dem „Erweiterten Zuhalteprogramm“ können während der Einspritz-, Nachdruck- und Restkühlphase jeweils bis zu zwei Zuhaltekräfte programmiert werden. Damit lässt sich zum Beispiel ein Mikroprägen, das sogenannte aktive Atmen, realisieren (Bild oben). Hier wird am Ende der Einspritzphase die Zuhaltekraft bewusst reduziert und damit ein Aufdrücken des Werkzeugs im hundertstel Millimeter Bereich bei steigendem Forminnendruck zugelassen: Das Werkzeug „atmet“ also ganz leicht (Kurvenpunkt 1, Bild unten).
Dabei kommt es zu keinen Überspritzungen, weil sich die Randschicht der Spritzteile bereits abkühlen konnte und der Kunststoff in der Kavität bleibt. Erst in der Nachdruckphase wird die Zuhaltekraft wieder erhöht und das Werkzeug komplett geschlossen. Ergebnis ist ein minimaler Prägehub bei dem der Nachdruck auf die gesamte Oberfläche einer Kavität wirkt. So lassen sich Spannungen in optischen Teilen vermindern und die Ebenheit flächiger Spritzteile erhöhen. Bei Spritzteilen die anschließend galvanisiert werden, kann eine bessere Haftung und damit auch eine höhere Qualität erzielt werden.
Ob sich das aktive Atmen anwenden lässt, hängt stark von der Teilegeometrie und dem Werkzeugkonzept ab. Das Verfahren eignet sich besonders für rotationssymmetrische Spritzteile. Ein spezielles Prägewerkzeug ist dabei nicht erforderlich. Da durch den Prägevorgang die Spritzteile dichter gepackt werden ergeben sich jedoch höhere Teilegewichte. Andererseits reduziert sich aber auch die Schwindung der Teile, was bei der Werkzeugauslegung berücksichtigt werden muss.
Eine weitere interessante Möglichkeit, die das „Erweiterte Zuhalteprogramm“ bietet, ist die prozesstechnische Unterstützung der Entlüftung des Werkzeugs. Hier wird zu Prozessbeginn eine relativ geringe Zuhaltekraft programmiert, sodass bei geschlossenem Werkzeug die in der Kavität enthaltene Luft mit zunehmender Formfüllung entweichen kann. Um Überspritzungen sicher auszuschließen, muss die Zuhaltekraft kurz bevor die Kavität vollständig mit Kunststoff gefüllt ist und der Forminnendruck ansteigt jedoch wieder erhöht werden. Neben einer besseren Formfüllung lässt sich so auch der sogenannte Dieseleffekt, also eine örtliche Verbrennung am Kunststoff vermeiden. Bei dieser Art der Entlüftung verlängert sich die Gesamtzykluszeit nicht.
Über die frei konfigurierbaren Prozessgrafiken der SELOGICA Steuerung können die einzelnen Parameter für das aktive Atmen oder das Entlüften perfekt aufeinander abgestimmt werden.
Der gesamte Prozess lässt sich damit einfach und schnell optimieren.
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